Beispielhaft und durchaus subjektiv: Ein Blick auf die Mentalitäten in der Arbeits- und Lernwelt
· Null-Fehler-Mentalität versus Hands-on-Mentalität?
Eine Aufgabe gründlich durchdringen, mögliche Problembereiche identifizieren und in den jeweiligen Lösungen umgehen, sorgfältig designen. Nun ja, ein bisschen länger dauert das.
Stattdessen – einfach schnell mal machen? Spontan aktiv werden, großzügig die Fakten werten, nicht als Erbsenzähler? Gefahr: Quacksalberei.
· Fortschrittlichkeit
Nicht in alten Routinen verharren, frischen Wind in alle Ecken blasen? Schauen wir in die Lernwelt Schule! Was gab und gibt es nicht alles an Neuerungen! Mengenlehre, Schreiben nach Gehör, Digitalisierung des Unterrichts schon in der Grundschule[1], die Hinterfragung der Autorität des Lehrers, hin zum Freund von gleich zu gleich, vom Wissens-Vermittler hin zum Moderator des Lernprozesses, die Heiligsprechung von Gruppenarbeit und die Verteufelung von Frontalunterricht und vieles, vieles mehr.
Aber – wie das katastrophale Abschneiden bei PISA auf Platz 24, hinter Rumänien, bezeugt: In zahlreichen Fällen ist eben neu ≠ gut!
· Leistungsbereitschaft
Leistung macht glücklich – so hat man früher gedacht und die meisten haben es wohl nach geschafften Zielen und erledigter Arbeit auch gefühlt. Fleiß, Anstrengung, Ehrgeiz war „in“. Seit den 70er Jahren weiß man es wissenschaftlich genauer. Bei Höchstleistungen, die einige Voraussetzungen haben, gerät man in den „Flow“, einen Zustand außerordentlichen Glücks durch Leistung.[2]
Natürlich lässt unterschiedliche Leistung auch die unterschiedlichen Fähigkeiten deutlich werden. Diesen Aspekt hat man in den letzten Jahren betont – und zum Beispiel die Bundesjugendspiele mit Leistungsmessung in der Grundschule abgeschafft. Frau Prien will zurückreformieren und ab der 3./4. Klasse den Schulen wieder den Wettkampf nach Punkten wie früher ermöglichen. Rolle rückwärts ja, aber vielleicht auch Beseitigung einer Fehlentscheidung?
· Hic Rhodus, hic salta[3] versus Verschieberitis
Vor allem jungen Menschen sagt man die Anfälligkeit für Prokrastination, das Aufschieben und Verschieben von Aufgaben, nach.[4] Stattdessen eine Aufgabe, wenn sie sich stellt, sofort anzugehen, seine Fähigkeiten zur Problemlösung sofort unter Beweis zu stellen - dies umschreibt der lateinische Spruch „Hic Rhodus, hic salta“, der eine lange Tradition der Auseinandersetzung von Äsop bis Marx hinter sich hat und das Motto vieler Erziehergenerationen war.
Neue Herausforderungen durch KI?
Mentalitäten sind – eigentlich – etwas Längerfristiges; tiefsitzend, langsam gewachsen, beharrlich, nicht schnell zu ändern, aber als immerwährendes Handlungs-bestimmendes Korsett des einzelnen Bürgers auch Objekt der Begierde der Politik. Die Mentalität(en) sollte(n) auf die gesellschaftliche Umgebung passen. Der Bürger erlebt diese, er lässt sich seine Wahrnehmung aber auch durch die Medien und die Politik (i.w.S.) konstruieren.
Und jetzt, etwas völlig Neues, das in atemberaubender Geschwindigkeit über uns hereinbricht: Die Herausforderungen, die durch den Stand und besonders die Dynamik der KI-Entwicklung auf jeden einzelnen und sein wertegesteuertes Handlungskorsett zukommen werden, haben wir alle, einschließlich der Politiker, wohl noch nicht zur Gänze realisiert.[5]
Müssen wir in wenigen Jahren dafür bezahlen, arbeiten zu dürfen, wenn die Heinzelmännchen-KI alle Aufgaben übernommen hat?
[1] Wie nun in Studien herauskommt, wird das Leseverständnis sowie das Textverständnis durch Digitalisierung behindert, oft um Jahre verzögert! FAZ vom 11. Juli 2023. S. 8., zitiert in „Digitalisierung, oh Jeh“, https://luiselink.blogspot.com/2023/07/normal-0-21-false-false-false-de-x-none_11.html
[2] https://www.fr.de/wissen/flow-im-gehirn-warum-dieser-zustand-ihre-leistung-vervierfacht-zr-94325837.html
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Hic_Rhodus,_hic_salta
[4] https://presse.uni-mainz.de/prokrastination-betrifft-vor-allem-junge-menschen/
[5] Lesen Sie hierzu bei Interesse „KI – eine Revolution und die Folgen“ bei https://luiselink.blogspot.com/2025/10/normal-0-21-false-false-false-de-x-none.html
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