„Emanzipatorisches Interesse“ und „Haltung“: Scheuklappen? Bei Pferden werden Scheuklappen eingesetzt, um sie von seitlichen Reizen fernzuhalten. Sie sollen sich auf die richtige Richtung fokussieren. „Scheuklappen“ im übertragenen Sinne bedeuten eine eingeschränkte Sichtweise oder eine begrenzt-selektive Wahrnehmung . Man nimmt nur wahr, was man sehen will, der Horizont verengt sich. „Emanzipatorisches Interesse“ … ist ein marxistisches Theorem [1] : Es existiert keine „objektive“ Wahrheit, alles Denken ist vorstrukturiert, interessegeleitet . Neues Denken soll sich dem emanzipatorischen Interesse unterwerfen, Forschung, Denken soll(te) der Befreiung des Individuums dienen (vor allem wohl vom Kapitalismus). Haltung Von dem Augstein’schen Postulat, „sagen, was ist“ bis zum heutigen Haltungsjournalismus ist es ein weiter Weg. Haltung ist die persönliche Umsetzung der „richtigen“ Einstellung für die emanzipatorischen Interessen der Gesellschaft, eine Haltungsb...
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Utopie oder die Realität – in unserer „ideologischen“ Zeit wieder eine entscheidende Frage Die Richtschnur des Handelns ist eine Grundentscheidung. Wir Älteren kommen aus einem pragmatischen Zeitalter. Politik als die Kunst des Möglichen. Die Realität wurde analysiert, als faktisch existent angenommen. Auf dieser Basis wurde gestaltet, aber nicht umgeworfen. Das Ergebnis: Reformen. Oder das Positiv-Bestehende wurde gesichert. „Das Tempo der Demokratie ist das Schneckentempo.“ Helmut Schmidt Ganz anders der Utopist. Seine Idee steht über allem, steuert seine Handlungen. Die Medien ziehen nach. Nicht „schreiben, was ist“ (Augstein), schreiben, was sein soll, „Haltung“ erzeugen. Haltungsjournalismus, auf den die „Leitmedien“ so stolz sind. Alles ist auf Veränderung der Welt und des Menschen ausgelegt. Der Utopist neigt zu Intoleranz gegenüber anderen Meinungen. Er fühlt sich zu dieser Intoleranz berechtigt, ja geradezu verpflichtet, denn – er weiß es ja besser aufgrund s...
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Bevormundung statt Mündigkeit? oder Deutungshoheit statt Diskurs? Zeitlich begrenzte Macht [1] Wenn die Macht in einem Staate – zumindest auch – über Wahlen vergeben wird [2] , sind Anordnungen, Verfügungen, Gesetze nicht ewig, sondern nach der nächsten Wahl veränderbar. Während die Diktatur auf Zustimmung viel weniger angewiesen ist und vor allem auf Befehl und Gehorsam setzt [3] , müssen die nach Macht Strebenden in einer repräsentativen Demokratie zu anderen Hilfsmitteln greifen: Sie ziehen unterschiedliche Register der Beeinflussung, bedienen sich des Instrumentariums der Manipulation. Dank der Forschungsergebnisse der Psychologie sind diese vielfältig und leider auch äußerst effizient. Diskurs: Die bessere Idee gewinnt Setzten früher nicht die Regierung, die Parteien, der Staat auf Überzeugung durch die besseren Argumente in einem alle gesellschaftlichen Gruppen umfassenden freien, offenen und ehrlichen Diskurs ? Heute wird Nudging [4] ganz offiziell zur Beeinflu...