Wieder in guter Gesellschaft?[1]

Ein Beitrag aus dem unerschrockenen Leseland

Der Mensch – auch Herdentier

Wie wir alle wissen und fühlen, ist der Mensch, sind wir, (auch) Herdentiere. Es geht uns gut oder besser, wenn andere unsere Meinung teilen, wenn unsere Auffassungen und Taten auf möglichst breite Zustimmung stoßen.

„Verlangen nach Bewunderung und Beifall ist vielleicht die allgemeinste Triebfeder menschlicher Handlungen.“[2]

Einsame Rufer in der Wüste

Für die Kritiker der politischen Entwicklung in den letzten zwei Jahrzehnten war der Beifall eher dürftig, es war einsam um sie, nicht selten wurden sie angegriffen. Ulrich Mies[3] – ein (Alt)Linker – schrieb 2023, mit scharfen Worten:

„Die westliche Welt ist ethisch und moralisch zerbrochen, sie befindet sich im freien Fall, dessen Folgen noch nicht absehbar, nur zu erahnen sind. Die Akteure dieses Neuen Faschismus terrorisieren diejenigen, die diesen Zerfall beschreiben und dagegen aufbegehren, und bekämpfen sie mit immer härteren Maßnahmen.“[4]

In den letzten Monaten sind die kritischen Stimmen allerdings lauter geworden. Der Thinktank R21 mit Kristina Schröder (CDU), Andreas Rödder (CDU) und Felix Dähne (FDP)[5] an der Spitze gewinnt an breiter Aufmerksamkeit. Bedeutende ehemalige Politiker, auch der SPD, wie Sigmar Gabriel[6], äußern sich. Ein aktueller Spiegel-Bestseller von (ehemaligen) Linken[7] findet breite Beachtung:

„Wenn das Denken die Richtung ändert.

Warum wir nicht mehr links sind.“ [8]

 

In diesem und im nächsten Post auszugsweise einige Informationen und Anmerkungen aus dem Buch

Reinhard Mohr

ehemaliger Kulturredakteur des Spiegels; Herausgeber von „Wenn das Denken die Richtung ändert“, zusammen mit Ulli Kulke, Mitgründer der taz

„Hierzulande (hat sich) eine fatale Kurzschluss-Gleichung entwickelt: Wer nicht links oder wenigstens grün ist, ist rechts. Und wer rechts ist, ist eigentlich rechtsradikal, also Nazi. (Das ist ein) infames ‚Framing‘, das abschrecken soll.“[9]

Über die Autoren …

„alle sind freiheitsliebende Zeitgenossen dieser zweiten deutschen Republik, die sie mit allem, was sie haben, verteidigen wollen – gegen jeden Extremismus, ob rechts, links oder islamistisch …“[10]

Ulrike Ackermann

Gründerin und Direktorin des John-Stuart-Mill-Instituts für Freiheitsforschung in Heidelberg; Politikwissenschaftlerin, Soziologin, Autorin, Radiomoderatorin

„In all dem Streit, in dem wir uns befinden und den wir mutig ausfechten müssen, wäre ein neuer antitotalitärer Konsens sicherlich hilfreich.“[11]



[1] Über zwei Jahrzehnte nun schon scheint etwas wie das abgewandelte Orwell-Motto „Links gleich gut, rechts gleich schlecht!“ durch die Köpfe zu geistern. (Das originale Orwell-Zitat aus Animal Farm liest sich als „Four legs good, two legs bad.“)

[2] Ein geflügeltes Wort von Lord Chesterfield, zitiert in Luise Link, Werden Sie wichtig. Ein satirischer Ratgeber, Twentysix 2019, S. 2.

[3] Mies, U., Das 1x1 des Staatsterrors. Der neue Faschismus, der keiner sein will, Klarsicht Verlag 2023

[4] Ebda., S. 39.

[5] u.a.

[6] Wetterauer Zeitung vom 18.8.2026, Vom Scheitern der Brandmauer. Wie umgehen mit der AFD? Was frühere Politiker sagen, S. 3.

[7] Unter ihnen (ehemalige) Redakteure von taz und Spiegel, Autoren, Minister, Wissenschaftler, bekannte Künstler.

[8] Kulke, U./Mohr, R. (Hrsg.), Wenn das Denken die Richtung ändert. Warum wir nicht mehr links sind, Kohlhammer Sachbuch, 1. Aufl., Stuttgart 2026

[9] Ebda., S. 13.

[10] Ebda., S. 15.

[11] Ebda., S. 35.

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