Enhanced[1] Games und mehr: Verschwimmen die Grenzen des Menschseins?
Aus den natürlichen Grenzen des menschlichen Daseins auszubrechen – dieser Wunsch hat die Menschheit immer bewegt. Denken wir an Dädalus und Ikarus: Der Traum vom Fliegen, Fliegen können! Wie die Grenzüberschreitung geendet ist, wissen wir: Dädalus‘ Sohn stürzt in den Tod, weil er sich mit seinen Flügeln im Übermut zu sehr der Sonne nähert und das Wachs, das die Vogelfedern zusammenhält, schmilzt. Eine wunderbare Metapher für menschliche Hybris.
Mit Medikamenten oder Drogen/ drogenähnlichen Substanzen die körperliche Leistungsfähigkeit für Sportler erhöhen? Das ist – eigentlich – tabu. Doping ist verboten, führt zur Disqualifikation bei Wettkämpfen. Nicht so bei den „Enhanced Games“, wo solche Substanzen (und ansonsten verbotene Hilfsmittel) ausdrücklich erlaubt sind. Die ersten Spiele solcher Art fanden unter Beteiligung von 42 Sportlern und mit ausgelobten Siegprämien der Investoren Peter Thiel und Christian Angermayer, Trump jun. und anderen Geldgebern aus Saudi-Arabien vom 21. Bis 24. Mai dieses Jahres in Las Vegas statt.
„Die Organisatoren zahlten ein Gesamtpreisgeld von 25 Millionen US-Dollar, davon bis zu eine Million Dollar für das Übertreffen von Weltrekorden und eben eine Viertelmillion für jeden ersten Platz.“[2]
Was ist Human Enhancement?
„Human Enhancement dient der Erweiterung der menschlichen Möglichkeiten und der Steigerung menschlicher Leistungsfähigkeit, letztlich also – aus Sicht der Betroffenen und Anhänger – der Verbesserung und Optimierung des Menschen. Ausgangspunkt sind kranke[3] oder gesunde[4] Menschen, die mit Wirkstoffen, Hilfsmitteln und Körperteilen versorgt und mit Technologien verbunden werden.“[5]
Verfahren des Human Enhancement sind zum Beispiel „Medikamente und andere Mittel, gentechnische Verfahren, biotechnologische Verfahren, mechanische Erweiterungen des Körpers.“[6]
Was muss man sich konkret darunter vorstellen?
Zur Konzentrationssteigerung oder Stimmungsoptimierung nehmen gesunde Menschen Psychopharmaka ein, die menschliche DNA wird manipuliert, Mensch und Maschine, Mensch und Künstliche Intelligenz werden verflochten – durch Mikrochips unter der Haut, durch Exoskelette usw.
„Das Konzept der Cyborgs … beinhaltet die Integration künstlicher Komponenten in den menschlichen Körper, um physische oder kognitive Fähigkeiten zu verbessern. …
Synthetische Biologie … beinhaltet die Anwendung von KI zur Verbesserung und Gestaltung der DNA … biologischer Organismen, einschließlich des Menschen.“[7]
Transhumanismus
Die Ideologie hinter Human Enhancement ist der Transhumanismus; „er befürwortet den Einsatz von Technologie, um die menschlichen Fähigkeiten über ihre natürlichen, angeborenen Grenzen hinaus zu erweitern.“[8]
Cui bono?
Wem nützt das, wer hat Interesse daran?
„Der Wandel der globalisierten Arbeitswelt fordert Flexibilität, Anpassungs– und Widerstandsfähigkeit, um maximale Leistung erbringen zu können. Besonders bei Führungskräften steigt zudem kategorisch der Leistungsdruck. Diese Tatsache führt zu der Idee einer natürlichen und auch künstlichen Steigerung der persönlichen Leistungsfähigkeit. …
Es gibt viele Forschungen und Publikationen zu diesem Thema. Unternehmen und auch das Militär nutzen diese Erkenntnisse und entwickeln teilweise Strategien zur systematischen Leistungssteigerung.“[9]
Schöne neue Welt – oder öffnen wir die Büchse der Pandora?
# EnhancedGames #HumanEnhancement #Cyborgs #SynthetischeBiologie #Transhumanismus
[1] verbessert, (Leistungs-)gesteigert, Partizip von „to enhance“
[2] https://www.derstandard.at/story/3000000322012/ein-rekord-bei-den-ersten-enhanced-games-der-gedopten-supermenschen?utm_source=firefox-newtab-de-de
[3] Für Erkrankte liefern die Forschungen große Hoffnungen.
[4] Hervorhebungen hier und im Folgenden vom Blogger.
[6] https://roth-institut.de/roth-wissens-journal/wissen-change-management/human-enhancement-steigerung-der-persoenlichen-leistungsfaehigkeit
[7] Uria-Recio, P., Wie KI unsere Zukunft gestalten wird, 7. Aufl., TX0009432990, S. 240.
[8] Ebda., S. 241.
[9] Quelle siehe Fußnote 6 in diesem Text.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen