Kein gutes Haar? Trump, Putin und das Pippi Langstrumpf Syndrom (PLS)

„Haltung“ und Klugheit

Ob‘s so sinnhaft war und ist, zwei Staatsmänner, die für uns bedeutsam, wichtig und mächtig sind, seit einem Jahrzehnt oder länger öffentlich oder gar amtlich zu dämonisieren, zu beleidigen, ihnen jede positive Eigenschaft abzusprechen, das Gespräch mit ihnen weitgehend zu unterlassen oder nicht ausreichend zu suchen?[1] Der Haltungsmensch und die Haltungsgesellschaft können sich natürlich über diese „Horrorgestalten“ moralisch erhaben fühlen, können sich auf ihre „Kosten“ nobilitieren – aber ist das in der Politik als der Kunst des Möglichen und in der Diplomatie als der wichtigsten und sinnvollsten Waffe – viel wichtiger und unschädlicher als Krieg! – zielführend?[2] [3] [4]Eine Antwort auf diese Frage gibt die Unterscheidung in Gesinnungsethik und Verantwortungsethik.

Gesinnungsethik versus Verantwortungsethik

Folgt man der Gesinnungsethik, ist die Überzeugung, der Glauben, die „Haltung“ der einzige Maßstab des (politischen) Handelns.[5] Man fühlt sich erinnert an das Grundproblem des Marxismus, dem man den „Reiz der Idee und die Pleite der Praxis“[6] attestierte.

Demgegenüber ist die Verantwortungsethik ein politisch-moralisches Prinzip, das die Frage nach der Verantwortbarkeit der Resultate und der Folgen des (politischen) Handelns als einzigen Maßstab gelten lässt. Sie ähnelt dabei der philosophischen Strömung des Utilitarismus, der menschliches Handeln nicht nach den Motiven, sondern danach beurteilt, welche Folgen es (für das Gemeinwohl) hat.

Vor mehr als hundert Jahren empfahl Max Weber in „Politik als Beruf“[7] den Politikern und politisch handelnden Menschen, beides in sinnvollen Einklang zu bringen.

Wollen wir nicht dem Pippi-Langstrumpf[8]-Syndrom[9] anheimfallen, ist diese Aufforderung aktuell wie nie zuvor.

 

# Pippi-Langstrumpf-Syndrom, Haltung, Gesinnungsethik, Verantwortungsethik, Utilitarismus, Max Weber, Werner Obst, Luise Link



[1] So sagt zum Beispiel Prof. Busygina, eine russische Exilantin, Politikwissenschaftlerin und Kritikerin von Putin in einem Interview: „Viele Menschen hoffen, dass es besser wird, wenn Putin weg ist. Es tut mir leid, auch da habe ich keine guten Nachrichten für Sie und nebenbei auch nicht für mich.“ https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/krisen/id_101125854/russland-und-der-westen-wenn-putin-ploetzlich-sterben-sollte-.html?utm_source=firefox-newtab-de-de

[2] Ohne, dass am Ende miteinander geredet wird, gibt es keine Lösungen.

[3] In der Diplomatie parliert man eben nicht zuvörderst mit Freunden, sondern versucht, mit Gegnern oder gar Feinden zu zivilisierten, sprich nicht gewalttätigen, Lösungen zu gelangen.

[4] Mit jemandem reden ist oft nützlicher als über ihn.

[5] Siehe im Folgenden Schubert, K./Klein, M., Das Politiklexikon, 8. Aktualisierte und erweiterte Aufl., Dietz 2021, Gesinnungsethik – Verantwortungsethik – Utilitarismus

[6] Obst, W., Reiz der Idee - Pleite der Praxis, Verlag: Edition Interfrom, 1983 (heute nur noch antiquarisch erhältlich)

[7] Max Weber, Politik als Beruf, Reclams Universal-Bibliothek Nr. 8833, 1992

[8] „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.“

[9] satirischer Begriff für stark ausgeprägte, anhaltende Realitätsverweigerung

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