Gerhard Schröder, Gesinnungsethik und Verantwortungsethik
Die Fotos des ehemaligen
Bundeskanzlers, vor einigen Tagen mit seinem offensichtlich Nach-Wie-Vor-Freund Wladimir Putin zu dessen Geburtstag, führten zu einem
gewaltigen Rauschen im deutschen Blätterwald und erheblicher Aufregung in der Politszene.
Wie konnte Schröder nur?
Gravierende Kontaktschuld! Parteiausschluss? Das war die veröffentlichte
Mehrheitsmeinung.
Nur vereinzelt las man Stimmen,
es wäre doch in diesen brandgefährlichen Zeiten wichtig[1],
dass wenigstens einer in Deutschland noch einen Draht zu Putin hätte.
Bei den konträren Einlassungen
begegnen wir unterschiedlichen Einstellungen, auf Neudeutsch „Mindsets“.
Gesinnungsethik versus
Verantwortungsethik[2]
und die „Verantwortbarkeit der Resultate“
Folgt man der Gesinnungsethik,
ist die Überzeugung, der Glauben, die Moral, die „Haltung“ der einzige Maßstab
des (politischen) Handelns.
Demgegenüber ist die Verantwortungsethik
ein politisch-moralisches Prinzip, das die Frage nach der Verantwortbarkeit der
Resultate und der Folgen des (politischen) Handelns als einzigen Maßstab gelten
lässt. Sie ähnelt dabei der philosophischen Strömung des Utilitarismus,
der menschliches Handeln nicht nach den Motiven, sondern danach beurteilt,
welche Folgen es (für das Gemeinwohl) hat.
Wie sagte Helmut Kohl während
einer Pressekonferenz am 31. August 1984[3]?
„Entscheidend ist, was hinten rauskommt.“
[1] In
manchen Verlautbarungen gar als „Vorkriegsära“ klassifiziert. Siehe letzten
Post auf dieser Plattform.
[2] Siehe im
Folgenden Schubert, K./Klein, M., Das Politiklexikon, 8. Aktualisierte und
erweiterte Aufl., Dietz 2021, Gesinnungsethik – Verantwortungsethik –
Utilitarismus
[3] https://beruhmte-zitate.de/zitate/134567-helmut-kohl-entscheidend-ist-was-hinten-rauskommt/
zitiert in DER SPIEGEL, 3. September 1984
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